Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Hier können alle Off Topic Themen sowie Umfragen eingestellt werden

Moderator: Patrick

Benutzeravatar
MaxM
Administrator
Administrator
Beiträge: 64233
Registriert: Do 4. Sep 2008, 00:13:19
Wohnort: Kirchheim bei München (520 m ü. d. M.)

Re: Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Beitrag von MaxM »

Es gibt immer zwei Gründe für eine Entscheidung, nämlich eine offizielle und eine tatsächliche. Manchmal sind beide gleich, aber oft unterscheiden sie sich weit von einander.
Lambo-Benni
Sonnensturm
Sonnensturm
Beiträge: 23333
Registriert: Sa 6. Sep 2008, 21:21:07

Re: Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Beitrag von Lambo-Benni »

"Krise kann auch geil sein!"

https://www.oxfam.de/presse/pressemitte ... artal-2026

Läuft doch alles wie gewünscht. Man muss halt nur Teil der Gewinner sein.
Wenn wir Menschen den Kapitalismus nicht überwinden, wird der Kapitalismus die Menschheit überwinden.
Benutzeravatar
MaxM
Administrator
Administrator
Beiträge: 64233
Registriert: Do 4. Sep 2008, 00:13:19
Wohnort: Kirchheim bei München (520 m ü. d. M.)

Re: Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Beitrag von MaxM »

Kein Wunder, wenn sie die Benzinpreise stärker erhöht haben als es für die Kompensation der erhöhten Ölpreise notwendig gewesen wäre.
Es gibt immer zwei Gründe für eine Entscheidung, nämlich eine offizielle und eine tatsächliche. Manchmal sind beide gleich, aber oft unterscheiden sie sich weit von einander.
Benutzeravatar
MaxM
Administrator
Administrator
Beiträge: 64233
Registriert: Do 4. Sep 2008, 00:13:19
Wohnort: Kirchheim bei München (520 m ü. d. M.)

Re: Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Beitrag von MaxM »

Und was den Kapitalismus anbelangt (um den geht's dabei ja letztendlich), ich lese gerade ein sehr interessantes Buch über die Geschichte des Kapitalismus, der zunächst mal durch die Vernetzung der Kaufleute begann und dann aufgrund immer mehr Profitgier immer mehr den Menschen schadet, ob es das Silberbergwerk in Potosí ist, wo zehntausende einheimische Arbeiter für kaum mehr als das Essen schuften mussten, während einige Wenige sich an dem Silber unmäßig bereicherten, ob die Ermordung lokaler Eliten (sowohl Feudalherrn als auch Kaufleute) und die Quasi-Versklavung der Bevölkerung durch niederländische Kaufleute (Niederländische Ostindien-Kompanie) zur Arbeit auf Muskatnussplantagen auf den Banda-Inseln, weil sie alleine das Monopol haben wollten, Muskatnüsse anzubauen und zu vermarkten - kein Wunder, so konnten die Gewinne fast beliebig erhöht werden. Auch die Suche nach dem Seeweg nach Indien - das war noch vor den Banda-Inseln - gehört da natürlich dazu, und dann ging's erst richtig los, als Amerika auch zur Verfügung stand. Dort kauften Kaufleute Grund, z. B. war im 17. Jahrhundert ganz Barbados an Kaufleute aufgeteilt, die dort fast auf der ganzen Inselfläche Zuckerrohr anbauten. Und da kam dann wiederum die Sklaverei ins Spiel, da für den Anbau, die Ernte und die Verarbeitung des Zuckerrohrs viele Arbeitskräfte benötigt wurden. Und damit machten auch wieder Leute große Geschäfte und bereicherten sich so an dem eigentlich größten Leid, den man sich für einen Menschen vorstellen kann, von zu Hause, von der Familie einfach weggerissen, in ein fremdes Land mit einer Sprache, die man nicht spricht, verschleppt zu werden und mit psychischer und vor allem körperlicher Gewalt zu schwerster Arbeit gezwungen zu werden. Die wenigen Überlebenden der Taino-Urbevölkerung auf Barbados gingen auch in der Sklavenbevölkerung auf. Auch Bauern zum Beispiel in den Ebenen Polens verloren ihre Unabhängigkeit an Grundherren, die dort immer mehr Grund aufkauften und die Bauern als oft unentgeltliche Arbeiter zur Getreideerzeugung einsetzten. Das Getreide wurde dann in die Niederlande gebracht, wo in den Städten viel davon gebraucht wurde, und auch nach Portugal. Und mit der Weberei lief es dann genauso - schlesische Weber mussten für äußerst wenig Geld Leinen weben, das Großkaufleute aufkauften, das sie mit großem Gewinn nach Amerika exportierten und in das dann - und das hatte ich wirklich bisher noch nicht gewusst - die Sklaven in Amerika gekleidet wurden. So hängt der Kapitalismus mit einigen der brutalsten Dinge der Menschheit, Kolonialisierung und Sklaverei nicht nur zusammen, sondern der Kapitalismus ist dessen Ursache. Und die Feudalherren, also Fürsten, Könige und Kaiser, profitierten auch davon, weil die sich oftmals Geld von den schwer reichen Kaufleuten (ich nenne mal Jakob Fugger den Reichen) liehen, um ihre Kriege führen zu können. Im Gegenzug bekamen die Kaufleute viele Privilegien und durften ihre megaprofitablen Aktivitäten fortsetzen, so dass eben die Kolonien dann hauptsächlich von den Kaufleuten verwaltet wurden. So lange das Geld floss, war das den Feudalherren gerade recht.

Es ging also immer nur um den Profit beim Kapitalismus und nie um den Menschen, und wenn es nicht den Druck der Vielen gegeben hätte, dann würden wir hier wie die Frauen heute in Bangladesh für 50 Euro im Monat in Fabriken schuften. Allerdings wird dieser Druck geringer, habe ich den Eindruck, und die Menschen interessiert es auch weniger, denn wie im alten Rom werden wir mit "Brot und Spielen" ruhig gestellt. Genügend zu essen ist in Deutschland da, dafür sind die billigen Discounter da, und die Rolle der "Spiele" übernehmen die (A)Sozialen Medien, damit werden die Menschen ruhig gestellt. So geht jetzt die Schere wieder immer weiter auf.

Und bis zur Industrialisierung bin ich noch nicht mal, das Buch ist sehr umfangreich, über 1000 Seiten, aber wirklich sehr lehrreich.

Du sieht auch, weil das eben so deutlich in dem Buch beschrieben ist, kann man es als durchaus kapitalismuskritisch bezeichnen.

https://www.hugendubel.de/de/buch_gebun ... tails.html
Es gibt immer zwei Gründe für eine Entscheidung, nämlich eine offizielle und eine tatsächliche. Manchmal sind beide gleich, aber oft unterscheiden sie sich weit von einander.
Benutzeravatar
MaxM
Administrator
Administrator
Beiträge: 64233
Registriert: Do 4. Sep 2008, 00:13:19
Wohnort: Kirchheim bei München (520 m ü. d. M.)

Re: Short News - Das Wichtigste Vom Tag

Beitrag von MaxM »

Um noch etwas hinzu zu fügen, ich will in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Landwirtschaft kommen.

Die Landwirtschaft begann ja als Subsistenzlandwrtschaft, das heißt, die Bauern produzierten das, was sie brauchten, auf ihrem Grund und Boden und waren nahezu autark. Nicht ganz natürlich, als es eben Metallverarbeitung gab, mussten sie auch mal zum Dorfschmied, um ihre Pferde beschlagen zu lassen, einen neuen Metallreifen für den Heuwagen zu bekommen oder auch eine neue Pflugschar. Damit bezahlten sie bis in die Neuzeit meistens noch mit Naturalien, also z. B. Getreide oder anderen Feldfrüchten oder auch mal mit etwas vom Tier, je nachdem, was mit dem Schmied ausgemacht war. Auch ihre Kleidung stellten sie meist selbst her, sie bauten Flachs an, es gab ein Spinnrad, an dem z. B. die Großmutter saß (ich denke, daher kommt auch der Ausdruck "spinnen" für nicht ganz richtig im Kopf sein), außerdem einen Webstuhl, im Winter wurde da fleißig gewerkelt, und die Häute der eigenen Tiere, die geschlachtet worden waren, wurden natürlich auch zu Kleidung verwertet, ebenso Häute von Tieren, die sie, wenn sie es durften, gejagt hatten. Und die Werkzeuge wurden im Winter auch wieder hergerichtet und für den Frühling vorbereitet. So machte man eben alles anders.
Die ganz andere Landwirtschaft kam dann eben in der Zeit, die ich im vorigen Beitrag beschrieben habe. Das waren nicht mehr Bauern, die für sich selber das erarbeiteten, was sie und ihre Familie brauchten. Sondern das waren dann Großbetriebe, wo einer viel Geld verdiente und wo viele hart arbeiten mussten, wie auf den Zuckerrohrplantagen in der Karibik oder auch auf den Getreidefeldern in Polen oder den Muskatnussplantagen auf den Banda-Inseln oder den großflächigen Baumwollanbau in Indien (der in Nordamerika kam erst später). All dies war arbeitsintensiv und es wurden viele Arbeitskräfte für wenig oder gar kein Geld benötigt.
In Europa war auch zu dieser Zeit die Landwirtschaft noch weitgehend Subsistenzlandwirtschaft. Es gab aber auch hier Großgrundbesitzer, wie die ostelbischen Junker oder die englischen Landherren, die Getreide und - gerade in England - Schafe bzw. deren Wolle in großem Maßstab produzieren ließen, und da mischten sich dann auch feudale und kapitalistische Strukturen. Insbesondere die Vertreibung der schottischen Bauern nach der Schlacht von Culloden kam den Großgrundbesitzern, die das Land dieser Bauern dann übernahmen, gelegen, um dort noch mehr Schafweideflächen schaffen zu können. Das lohnte sich allerdings nicht mehr so, als in Australien und Neuseeland dann eine riesige Anzahl von Schafen gehalten wurde.
Es wurde aber auch zunehmend notwendig, dass mehr auf dem Land produziert wurde als die Bauern brauchten, denn die Städte entwickelten sich. London war damals die größte Stadt in Europa und hatte um 1600 schon 200.000 Einwohner, die alle essen mussten. Und die Städte wuchsen weiter. Genau das rief zunehmend Menschen auf den Plan, die darin ein Geschäft sahen, die Land erwarben, mit Hilfe von schlecht bezahlten Arbeitern Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte erzeugten und in die Stadt verkauften. In Großbritannien wurde das Land alles eingezäunt und war nicht mehr frei und die früher freien Bauern mussten als Arbeiter auf den Feldern der Gutsherrn arbeiten.
In vielen Teilen Deutschlands wurden die Bauern mit der "Bauernbefreiung" (je nachdem im späten 18. oder auch im frühen 19. Jahrhundert) wieder frei, aber sie mussten sich dann sozusagen auch kaufmännisch betätigen, denn es gab immer mehr Dinge, die sie nicht selber herstellen konnten. Und so wurden aus Bauern eben auch Kaufleute, das heißt, sie hatten ihren Teil am Kapitalismus.
Heute ist es so, dass die Bauern wieder in großer Abhängigkeit stehen, nämlich zur Lebensmittelindustrie stehen, da diese ziemlich rabiat die Preise diktiert, und für die Bauern bleibt meistens zu wenig übrig. So müssen sie aus ihrem Land rausholen, was geht, und das ist für die Natur nun nicht das beste, wie man sich vorstellen kann. Das ist eben auch eine Folge des Kapitalismus.
Es gibt immer zwei Gründe für eine Entscheidung, nämlich eine offizielle und eine tatsächliche. Manchmal sind beide gleich, aber oft unterscheiden sie sich weit von einander.
Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast